Kraftstoff statt Windkraft
Energie-Folgekosten des Iran-Krieges in Perspektive gesetzt
Hinweis: Dieser Artikel wurde am 7.8.2026 aktualisiert.
Aufgrund des Iran-Krieges ist unter anderem der Ölpreis stark gestiegen. Mit dem Ölpreis steigen folglich auch die Preise für fossile Kraftstoffe. Laut EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (ORF.at) belaufen sich Mehrkosten für den Import von Kraftstoffen in Europa auf 27 Milliarden Euro, allein in den ersten 60 Tagen des Konfliktes.
Angesichts dieser riesigen Zahl hat sich mir die Frage aufgedrängt:
Was könnte man mit dieser Menge an Geld tun, um Europa von fossiler Energie unabhängiger zu machen?
Hinweise zur Einordnung:
- Die folgende Überschlagsrechnung ist kein “Businessplan”, sondern eine grobe Abschätzung. Ein Versuch, ein Gefühl für die astronomische Zahl von 27 Milliarden Euro zu erhalten.
- Windkraftanlagen und Strominfrastruktur werden nicht von heute auf morgen gebaut, sondern benötigen eine lange Planungs- & Vorlaufphase.
- In der Überschlagsrechnung sind keine Investitionen in den Netzausbau oder Energiespeicher berücksichtigt. Diese sind für den Ausbau dezentraler, variabler Energieproduktion (z.B. Wind- oder Sonnenkraft) notwendig.
- Der Ölpreis wird nach der Beendigung des Krieges vermutlich wieder fallen, mit ihm die Mehrkosten.
Update vom 7.8.2026: Seit Kriegsbeginn sind inzwischen mehr als 5 Monate vergangen. Der Ölpreis blieb die gesamte Zeit über deutlich über dem Niveau von vor dem Kriegsbeginn.
Potential für Energie-Autarkie
Eine schnelle Recherche zur Windkraft in Österreich ergibt:
- 1 Windrad kostet über den Lebenszyklus etwa 10 Millionen Euro
(inkl. Planung, Bau, Betrieb; Quellen: IG Windkraft, Landwirtschaftskammer NÖ), - Aktuell stehen etwa 1.400 Windräder in Österreich ( Wiener Stadtwerke).
Was mich zu folgender Überschlagsrechnung bewegt:
- 27 Milliarden Euro = 27.000 Millionen Euro
- 27.000 Millionen / 10 Millionen pro Windrad
- ergibt 2.700 neue Windräder
Nur mit den Mehrkosten für den Import fossiler Brennstoffe ließen sich also fast doppelt so viele Windräder neu bauen (inklusive Planung, Wartung, …) wie gegenwärtig in Österreich stehen. Da die Mehrkosten in 2 Monaten angefallen sind, lässt sich überspitzt sagen:
Mit den Mehrkosten für fossile Importe könnte Europa monatlich die Windkraft von ganz Österreich dazustellen.
Diese Überschlagsrechnung ist, wie anfangs erwähnt, bewusst grob und vereinfacht.
Trotzdem veranschaulicht die Rechnung das Ausmaß der Kosten, die wir zu tragen haben. Allein der kriegsbedingte Mehraufwand für fossile Importe entspricht Investitionssummen, die ganze Regionen mit erneuerbarer Energie versorgen könnten. Und das, obwohl Europas Abhängigkeit von fossilen Energieimporten sehr hoch ist – unabhängig vom aktuellen Irankrieg.
Update vom 7.8.2026:
- Der Ölpreis blieb nach dem Beginn des Irankrieges, inklusive aller Preisschwankungen, deutlich über dem Vorkriegsniveau.
- Laut
WirtschaftsWoche beliefen sich die Mehrkosten in den ersten 100 Tagen des Krieges auf 47 Milliarden Euro. Das entspricht einer gleichgebliebenen Belastung:
27 Milliarden / 60 Tage = 0,45 Mrd/Tag
47 Milliarden / 100 Tage = 0,47 Mrd/Tag
Fazit
Mir drängt sich die Frage auf:
Warum denken und planen wir nicht weitsichtiger?
Warum betreiben wir keine offensivere Politik für ein energieautarkes, auf nachhaltige Energie fokussiertes, Europa?
Update vom 7.8.2026:
Die aktuelle Hitzewelle in Europa liefert ein weiteres, kräftiges
Argument für die Abkehr von fossilen Energieträgern.